Petra van Laak fotografiert von Karoline Wolf sitzend auf Sofa

3. September 2015

Texten für’s Web: Interview mit Petra van Laak

Petra van Laak beschreibt den Anfang ihrer Erfolgskarriere in dem Buch „Eine Frau, vier Kinder, Null Euro (fast)“. Und der Titel war Programm. Aus der Not heraus, allein erziehend mit vier Kindern und ohne attraktive Festanstellung in Aussicht, hat Petra van Laak den Weg in die Selbständigkeit bestritten. Unter dem Motto „Gute Texte werden immer gebraucht“ hat sie die Agentur Text: van Laak gegründet – und das sehr erfolgreich. Petra van Laak hat zwei Mal den Swiss Text Award gewonnen, ist Vorbildunternehmerin des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie und als Solo-Unternehmerin des Landes Brandenburg ausgezeichnet. Auch als Schriftstellerin und Autorin ist Petra van Laak ausgezeichnet und erfolgreich und hält diverse Vorträge und Workshops für Texter und für Autoren ab.

Ocular Online hat Petra van Laak speziell zum Texten im Web interviewt und dabei für unsere Blog-Leser wieder einige Tipps und Tricks der Ausnahme-Texterin ergattert. Viel Spaß beim Lesen!

Ocular Online: Warum sollte man im Web anders texten als im Print-Bereich?
Petra van Laak: Texte werden am Bildschirm anders wahrgenommen als auf dem Papier. Das liegt zum einen an der für das Auge schwieriger zu verarbeitenden Auflösung am Bildschirm, zum anderen an der Situation, in der wir am Bildschirm lesen: Oft zwischendurch, in unbequemer Haltung, parallel andere Dinge machend. Wenn wir fürs Web texten, muss all dem Rechnung getragen werden. Kurze Sätze, klare Textstruktur, griffige Headlines sind nur einige Beispiele dafür.

Das Weglassen von Information trägt oft zur Präzisierung der Aussage bei

Ocular Online: Und gibt es auch einen allgemein gültigen Texter-Tipp, der universell anwendbar ist?
Petra van Laak: „Das Weglassen von Information trägt oft zur Präzisierung der Aussage bei.“ Ich habe gerade nicht parat, von wem das Zitat stammt, aber es enthält viel Wahrheit. Natürlich sollte man relevante Infos nicht weglassen – generell bedeuten schlanke, kurze Texte jedoch mehr Klarheit.

Ocular Online: Was ist Ihrer Erfahrung nach der häufigste Fehler beim Texten im Web?
Petra van Laak: Ellenlange Wörter und Sätze, und noch schlimmer: Keyword-gespicktes Gelaber, aus der falschen Annahme heraus, den Suchmaschinen würde das gefallen.

Ocular Online: Haben Sie digitale Lieblings-Seiten oder Magazine und falls ja, warum?
Petra van Laak: Ich selbst lese sehr gerne das Online-Magazin SAAL ZWEI und mag die Seite von Musique Couture (reiner Eigennutz, denn zu deren Musik-Mixes lässt es sich super texten).

Achtet auf die Form!

Ocular Online: Was sollte man Ihrer Meinung nach beim Texten in sozialen Netzwerken beachten?
Petra van Laak: Achtet auf die Form! Nur weil es sich um soziale Netzwerke handelt, ist das noch lange kein Freibrief zum schlampigen Formulieren. Auch Rechtschreibung und Zeichensetzung gelten dort… Der Ton darf natürlich ein wenig informeller sein als auf einer klassischen Unternehmenswebseite.

Ocular Online: Bilder und Videos werden im Netz immer beliebter und damit wichtiger. Gibt es hier auch Regeln beim Texten zu beachten?
Petra van Laak: Bilder und Videos sollten zum Text passen und umgekehrt. Eine einheitliche Bildsprache ist wünschenswert – so wie eben auch Texte „aus einem Guss“ sein sollten. Und auf die Urheberrechte achten.

drumherum lesen, rausgehen, spazierengehen, nachdenken

Ocular Online: Und noch eine web-unabhängige Frage – woher nehmen Sie Ihre Inspiration beim Texten für ganz unterschiedliche Kunden?

Petra van Laak: Einfach drauflos schreiben ist nicht. Bevor die ersten Testfassungen – und es gibt immer 3 bis 4 Fassungen – entstehen, muss man einfach viel nachdenken und sich in den Themenbereich des Auftraggebers hineinversetzen. Mir persönlich hilft dabei: viel drumherum lesen, rausgehen, spazierengehen, nachdenken. Übrigens ein Prozess, den wir in der Agentur mit vielen Kreativen gemeinsam haben. Das Sinnieren und sich bewusst rausklinken, um tiefer ins Thema zu kommen ist eine Methode, mit der viele Schriftsteller seit Jahrzehnten arbeiten.

Ocular Online: Zum Schluss stellen wir gern noch die Nominierungsfrage. Von wem oder zu welchem Themengebiet würde Sie gern ein weiteres Interview in unserem Blog lesen?

Petra van Laak: Es wäre toll, wenn Sie das Bildhaus Potsdam zum Thema Grafikdesign interviewen würden…

Vielen Dank für das Interview und hier haben wir als Nachtrag das Interview mit Tino Umlauft vom Bildhaus Potsdam!


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