4. November 2015

Personal Branding – Nicole Kempe im Ocular Online Experteninterview

Nicole Kempe ist Online-Marketing-Beraterin und unterstützt Selbstständige und Solo-Unternehmer bei der Profilschärfung, Entwicklung digitaler Produkte sowie der Selbstvermarktung im Internet. Sie ist im Web auf Blogs und in Social-Media-Netzwerken unterwegs und immer enthusiastisch bei der Sache, besonders wenn sie merkt, dass Menschen ihren eigenen Weg gehen und für ihre Ideen brennen.

Die eigene Marke deutlich sichtbar online positionieren

Nicole Kempe hilft ihren Kunden explizit, die eigene Personen-Marke aufzubauen und diese deutlich sichtbar online zu machen. Auf ihrer Internetseite nicolekempe.de stellt sie den Lesern bereits in ihrem Blog und mit verschiedenen Online-Marketing-Ressourcen hilfreiche Tools und Informationen zur Verfügung.

Ocular Online hat Nicole Kempe einige Fragen zum Personal Branding im Netz und dem Reputations- und Beziehungs-Management im digitalen Zeitalter gestellt.

Viel Spaß beim Lesen des Interviews

Ocular Online: Ist Personal Branding eher eine Methode, um sich Online schärfer zu positionieren oder findet es primär in der analogen Welt statt und wird auf den Online-Auftritt übertragen?


Nicole Kempe:
Personal Branding bzw. der Aufbau einer Personen-Marke findet primär über die Auseinandersetzung mit sich selbst statt. Es gibt verschiedene Methoden, sich der eigenen Ich-Marke gezielt zu nähern. Ich selbst hinterfrage bei meinen Kunden beispielsweise Werte, Lebensvorstellungen, das Geschäftsmodell bzw. die gewünschte berufliche Position, fachliche Kenntnisse und Themen für die sie einstehen.

Für eine 360 Grad Perspektive empfiehlt es sich, auch Freunde und Arbeitskollegen zu fragen

Letztlich hat jeder von uns eine Marke und die besteht nicht darin, was wir über uns selbst sagen, sondern was andere über uns sagen, wenn wir nicht im Raum sind. Die gezielte Auseinandersetzung und der Aufbau der eigenen Marke ist das Fundament. Übers Marketing – ob analog oder digital – transportiert man dann die Marke und die damit verbunden Kernbotschaften nach außen.

Ocular Online: Wie geht man am besten dabei vor, sich im Web als Marke zu positionieren?

Starke Marken polarisieren immer

Nicole Kempe: Man besten geht man in einzelnen Schritten vor.

1. Zuerst einmal sollte man sich klar machen: Starke Marken polarisieren immer! Starke Marken erkennt man an Fans und an Leuten, die einen nicht mögen. In der Regel überwiegen die Fans. Diese sind zugleich die Fürsprecher. Aber man muss auch Kritik aushalten können.

2. Kernbotschaften formulieren und diese wiederholen, wiederholen und wiederholen.

3. Wissen, wohin und was man will (Ziele) und wer die eigene Marke kennen soll (Zielgruppe).

4. Die eigenen Präsenzen an den Orten aufbauen, die zur eigenen Marke passen und wo die Zielgruppe präsent ist.

5. Themenpläne und Redaktionspläne für die einzelnen Online Auftritte ausarbeiten, die die eigenen Botschaften und Unternehmensziele unterstützen.

6. Netzwerken und Beziehungen aufbauen.

7. Immer den größtmöglichen Mehrwert für Interessenten, Kunden und Partner liefern.

Ocular Online: Was sind Ihrer Meinung nach die drei wichtigsten Faktoren für eine gute Positionierung im Netz?

Nicole Kempe: Ich würde drei Faktoren zu den wichtigsten zählen – und zwar:

  • Regelmäßig gute Inhalte liefern mit dem tiefen Wunsch, Menschen weiterhelfen zu wollen
  • Kenntnisse im Online Marketing oder Social Media Marketing
  • Netzwerken und gute Kontakte zu Influencern aufbauen

Ocular Online: Viele Unternehmen, insbesondere im Mittelstand – scheuen noch den direkten öffentlichen Austausch mit Usern, weil Sie Angst haben, öffentlich kritisiert zu werden oder bei negativen Debatten nicht angemessen reagieren zu können. Was raten Sie diesen Unternehmen?

Bloß weil Unternehmen auf eigene Auftritte verzichten, stoppen sie damit nicht die Gespräche im Netz über sie

Nicole Kempe: Zum einen hilft die Vogel-Strauß-Politik nicht viel. Bloß weil Unternehmen auf eigene Auftritte verzichten, stoppen sie damit nicht die Gespräche im Netz über sie. Zum anderen können sie über eigene Online Präsenzen die Themen aktiv steuern, ihre Sichtweise darlegen und auf Kritik reagieren.

Social Media Monitoring:
Was Unternehmen aber heutzutage mindestens machen sollten, ist ein Social Media Monitoring. Hierbei geht es darum Gespräche über das Unternehmen, Produkte oder Dienstleistungen, Marken und Mitarbeiter im Netz aufzuspüren.

Netzwerk:
Hilfreich für Unternehmen ist der frühzeitige den Kontaktaufbau zu Influencern und Multiplikatoren. Im Krisenfall besteht die Möglichkeit, dass diese als Fürsprecher auftreten.

Krisenthemen:
Die Vorbereitung auf mögliche Krisenthemen und kritische Fragen sollten vorab evaluiert sowie Antworten darauf vorbereitet werden.

Kommentarrichtlinien und Verhaltensrichtlinien für Nutzer und Mitarbeiter

Netiquette und Reaktionsdiagramm:
Für die eigenen Auftritte sollten Kommentarrichtlinien und Verhaltensrichtlinien erarbeitet und den Nutzern sowie Mitarbeitern zugänglich gemacht werden. So kann man auf konstruktive Kritik eingehen, Beleidigungen etc. mit Hinweis auf die Richtlinien löschen und umgeht den Vorwurf der Zensur.

Mit Mitarbeitern sollten die Reaktionen und der Umgang mit kritischen Kommentaren erarbeitet, geprobt und als verständliche Handlungsanleitung hinterlegt werden.

Social Media Guidelines:
Social Media Guidelines enthalten Verhaltenshinweise für die Mitarbeiter des Unternehmens. Schließlich sind sie oft privat im Netz unterwegs aber zugleich immer auch Botschafter des Unternehmens.

Ocular Online: Ein weiteres Hemmnis, aktives Social-Media-Marketing zu betreiben ist der schwer einzuschätzende Zeit- und Kostenfaktor. Wie können Unternehmen hier strategisch sinnvoll planen – gibt es z.B. Richtlinien für die Häufigkeit von Blog- und Social-Media-Posts?

Nicole Kempe: Das mit den Richtlinien ist immer eine schwierige Frage. Für Blogartikel halte ich eine Frequenz von zweimal wöchentlich für ideal, vor allem im ersten Jahr. Mindestens zweimal im Monate sollte ein Unternehmen einen Artikel verfassen.

In einem Artikel stecken zwischen 3 Stunden bis 2 Tagen Arbeit

Wichtig ist vor allem regelmäßig zu bloggen. Was regelmäßig heißt, steht im engen Zusammenhang mit den verfolgten Zielen, der Konkurrenzsituation und den vorhandenen Ressourcen. Hinzukommen das Lesen von anderen Blogs und der Beziehungsaufbau zu Bloggern beispielsweise über Kommentare oder Gastartikel.

Das A und O für erfolgreiche Blogartikel liegt darin, dass sich Unternehmen klar machen für wen sie schreiben und was das Ziel eines jeden Artikels ist.

Grundsätzlich gilt Qualität vor Quantität

Die Häufigkeit von Social Media Posts ist netzwerkabhängig. Jedes Unternehmen sollte sich mit den Eigenheiten der jeweiligen Netzwerke auseinandersetzen. Hinzu kommen noch Zeit für das Community Management und antworten von Kundenfragen sowie ggf. Kosten für Werbeanzeigen.

Ocular Online: Sie veranstalten selbst auch Workshops zu verschiedenen Themenbereichen des Online-Marketings. Gibt es Aha-Erlebnisse Ihrer Kunden, die typischerweise auftauchen – oder ein bestimmtes Vorurteil, das Sie bereits öfter aus dem Weg räumen konnten?

Vorurteile und Aha-Erlebnisse – ja beides gibt es!

Nicole Kempe: Hier mal einige Auszüge.

1. Social Media ist nichts für mal eben nebenbei.
2. Es hilft wie ein Verlag zu denken.
3. Immer vom Content her denken.
4. Die Implementation im Unternehmen dauert oft länger als ursprünglich geplant
5. Ohne Strategie keinen Erfolg. Alles vorausplanen kann man dennoch nicht.
6. Mit Social Media lassen sich tatsächlich Kunden gewinnen und Umsätze erzielen.
7. Neben Kenntnissen im Bereich Unternehmenskommunikation braucht es Wissen über die Besonderheiten der einzelnen Kanäle.


Ocular Online: Wenn die Positionierung stimmt und der Content einen direkten Mehrwert für Kunden und potenzielle Kunden darstellt – reicht das dann aus, um gut gefunden zu werden? Oder welche anderen Faktoren sollten für eine deutliche Sichtbarkeit im Web unbedingt noch berücksichtigt werden?

Nicole Kempe: Das ist grundsätzlich das ein guter Anfang, wenn man noch folgende 5 Faktoren berücksichtigt:

Erfolgsfaktoren für gute Sichtbarkeit im Netz

  • Strukturierung der Texte fürs Lesen im Web und für Suchmaschinen
  • Optimierung der Inhalte für Suchmaschinen
  • Social Media Optimierung, d.h. Inhalte für das Teilen im Web optimieren
  • Netzwerken, Kooperationen und Content Kuration
  • multimediale Inhalte einbinden
  • Eigene Stimme finden

Ocular Online: Als letztes stellen wir unseren Experten gern eine Art Nominierungsfrage – von wem oder zu welchem Thema würden Sie auf unserem Blog noch gerne ein Experten-Interview lesen?

Nicole Kempe: Da fallen mir zwei Personen zu ein.

1) Social Media Marketing im Kontext von Datenschutz und Personalrecht – ein oft unterschätztes Thema gerade von Mittelstandsunternehmen. Hier kann Susanne Plaumann von 1Step.to Auskunft geben.

2) Wie gehe ich vor wenn ich absoluter Anfänger bin? Hier kommt Dietmar Fischer in Frage, der auch gerade sein erstes Buch mit dem Titel „Die Spezialisierung im Bereich Social Media startet gerade“ veröffentlicht hat.

Ocular Online: Dann sehen wir zu, dass Sie bald ein weiteres Experten-Interview auf unserem Blog zu diesen Themen lesen können.

Vielen Dank für das Interview!


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