Programmierer Gregor Wendland im Ocular Online Interview

Gregor Wendland Portrait Bild für Ocular Online

Gregor Wendland ist Programmierer und mit seinem Unternehmen g:wendt bereits seit 2010 selbständig als Webdeveloper unterwegs. Quer durch die Branchen liegt sein Fokus auf den drei OpenSource-Systemen TYPO3, WordPress und OXID eShop.

In der Webentwicklung hat sich in den letzten Jahren viel getan und natürlich haben sich auch die Ansprüche verändert. Bei vielen Kunden gibt es nach wie vor eine Hemmschwelle, sich mit der Programmierung auseinanderzusetzen – vielleicht aus Furcht vor einem technischen Unverständnis oder weil Baukasten-Systeme immer leichter bedienbar werden?

Das ist aber völlig unbegründet, denn auch wer kein JavaScript, HTML, PHP oder MySQL beherrscht oder nicht weiß, was sich hinter den Begriffen verbirgt, für den kann es trotzdem spannend, interessant und vor allem nützlich sein, zu wissen, wie Programmierer bei ihrer Arbeit vorgehen und wann es sich lohnt, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen (fast immer!).

Wir haben den Techie Gregor Wendland einmal die Fragen gestellt, die wir für unsere Kunden als tollen Mehrwert sehen. Zum Beispiel, wie ein Programmierer auf eine Webseite schaut oder warum es manchmal gut sein kann, ohne Templates zu arbeiten Aber lest selbst.

Interview mit Programmierer und Webentwickler Gregor Wendland

Ocular Online: Kannst Du uns zum Einstieg verraten, wie Du zum Programmieren gekommen bist und was Dich immer noch am meisten an Deiner Arbeit begeistert?

Gregor Wendland: Zum Programmieren bin ich gekommen, weil ich wissen wollte, wie man es schafft, dass auf einem Computer-Bildschirm Buttons, Grafiken und Animationen zu sehen sind. Ich denke, da war ich etwa 14 und hatte schon 1, 2 Jahre immer mal wieder Kontakt mit dem Computer meines Cousins.

Bis heute besteht die Faszination darin, Dinge zu schaffen

Man kann sich das Programmieren eigentlich als Handwerk wie auch das des Maurers vorstellen: es gibt einen Plan, wie das Haus aussehen soll, wie viele Stockwerke es hat, wo Türen und Fenster hinkommen; so programmiere ich auch eine Website nach einem vom Web-Designer vorgegebenen Plan – so kann man sich das grob vorstellen aber das ganze ist natürlich vielschichtig und es geht dabei nicht nur um das gute Aussehen, sondern auch um technische Finessen im Hintergrund.

Ocular Online: Als Nichtprogrammierer ist es oft schwierig sich vorzustellen, was durch Code entstehen kann. Übersetzt Du hier zum Teil für Kunden, damit sie Deine Arbeit besser verstehen oder nimmst Du einfach die Vorstellungen auf und lieferst ein Ergebnis ab?

Gregor Wendland: Wenn der Kunde es verstehen möchte, versuche ich so gut es mir möglich ist, in Metaphern zu erklären, was in Sachen Programmierung in seinem Projekt geschehen wird. Es ist aber auch oft genug so, dass die Kunden sich auf ihre eigene Profession konzentrieren und von den technischen Details lieber nichts oder nur das nötigste wissen wollen.

Ocular Online: Wie gehst Du bei der Projektarbeit vor? Hast Du ein Netzwerk aus anderen Selbständigen, kommen Arbeitsbestandteile, wie Design, direkt vom Kunden oder arbeitest Du mit Agenturen zusammen?

Gregor Wendland: 

Eine Website zu erstellen ist immer Teamwork und braucht mehrere Gewerke

Wie sich das Team zusammensetzt kommt auf den Kunden, sein Budget und die Anforderungen an. Es ist selten, dass der Kunde direkt zu mir als Programmierer kommt. Für die meisten Leute, die eine Website betreiben möchten, ist das Thema scheinbar eher ein gestalterisches/grafisches Thema – und klar, das ist zumindest einer der wesentlichen Teile.

Der technische – und ebenfalls wesentliche – Teil einer Website ist eher unbekanntes Terrain, das sie lieber nicht betreten wollen. Ich vermute, dass die Kunden deshalb auch zuerst bei Werbeagenturen oder Grafikern landen. Das bedeutet letztendlich, dass prinzipiell alle Konstellationen vorkommen und denkbar sind: eine Website wird nur mithilfe der Kundenvorstellungen technisch umgesetzt; das Umsetzungsteam besteht aus Kunde, Grafiker und Programmierer (mir); es gibt eine Agentur, die Strategen, Grafiker, Projektmanager, Texter, SEO-Sepzialisten u.ä. bereit hält und mich dazu holt.

Wichtig ist bei allen Varianten, dass dem Kunden klar wird, dass er Teil des Teams ist – denn von seinen Ideen und dem Wesen seines Unternehmens, lebt die Website – grafisch, technisch und inhaltlich.

Ocular Online: Die immer leichter bedienbaren Content Management Systeme (CMS) helfen gerade Gründern oder Selbständigen mit geringerem Budget, sich eine Webseite zu erstellen. Bietest Du auch hierfür Support, als Template-Anpassungen an? Was spricht aus Deiner Sicht für und gegen Templates?

Gregor Wendland: Dass man sich heute auch als nicht-Nerd eine Website erstellen kann, ist grundsätzlich toll und auch aus meiner Sicht eine gute Sache. Tatsächlich war es mit kleineren Hilfestellungen aber auch schon vor 10 Jahren möglich als Laie Websites zu erstellen (mit Homepagebaukästen, mit Programmen wie DreamWeaveroder FrontPage). Heute wissen schlicht mehr Leute davon, wie „easy-peasy“ es ist, eine Website zu erstellen, weil dafür auch ordentlich Werbung gemacht wird.

Was daran gut ist: theoretisch kann auch meine Oma eine Website erstellen, wenn sie einen Computer grundsätzlich bedienen kann – und das für wenig Geld.

Allerdings werden diverse Aspekte, die Schwierigkeiten verursachen in der Werbung für die Selbst-Bau-Website nicht erwähnt:

  • man muss selbst Texte schreiben
  • man muss selbst Bildmaterial liefern und bearbeiten
  • selbst Farben und Formen bestimmen
  • selbst Suchmaschinenoptimierung betreiben

und sicher noch 10 Dinge mehr, die mir spontan nicht einfallen. In dieser Aufzählung sind die tatsächlichen Schwierigkeiten noch nicht inbegriffen, die organisatorischer, rechtlicher oder technischer Natur sein können.

Die Anpassung von vom Kunden mitgebrachten bzw. gekauften Templates gehört zu meinem Alltag und ist Teil meines Leistungsportfolios. Allerdings ist die Anpassung von solchen Templates in der Regel mühsam und ineffektiv und damit teuer.

Ocular Online: Wir haben manchmal das Gefühl, dass sich die Leute nicht richtig an die Kommunikation mit einem Programmierer rantrauen. Hast Du den ultimativen Tipp, um diese Hemmschwelle herabzusetzen? 

Programmierer sind im Prinzip auch ganz normale Menschen – sie machen Sport, gehen in den Garten und grillen, fahren in den Urlaub, gehen tanzen und machen Musik; sie können freundlich, wütend und lustig sein. Insofern habe ich keinen Tipp, weil ich das Problem gar nicht verstehe.

Vielen Dank für das Interview!

Bitte.